Archiv für Mai 2016

Let’s talk about Israel…

Wie in jedem Jahr, trifft sich auch am diesjährigen 1. Mai die Bonner Linke zum revolutionären Stelldichein, um am Kampftag der Arbeiterbewegung, seit 1933 von den Nationalsozialisten als gesetzlicher Feiertag verankert, ihrer Forderung nach einer radikalen Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse symbolischen Nachdruck zu verleihen. Seit einigen Jahren nun werden die noch nicht gänzlich revolutionsmüden Mitstreiter an zwei verschiedene Orte mobilisiert, um sich gegen Herrschaft aufzulehnen. An der Marienschule treffen sich die antiimperialistischen und befreiungsnationalistischen Gruppen, welche die Welt von Banken und westlichen Eliten beherrscht sehen. Am Frankenbad trifft sich wiederum das anarchistisch geprägte Libertäre Forum. Dort artikuliert sich, neben dem üblichen Revolutionskitsch aus Rojava oder Chiapas, die Forderung nach einer Revolte gegen die Staatsgewalt, das Kapital und seine Privilegierten. Eine explizite Positionierung auch gegen linken Antisemitismus und für den zum Schutzraum für Millionen Juden gewordenen Staat Israel findet sich auf keinem der beiden Bündnisse. Während die antiimperialistische Linke unter der Chiffre des Antizionismus aus ihrem Hass gegen die Juden keinen Hehl macht, schweigt die libertäre Linke im Wissen ihrer Uneinigkeit in Bezug auf Israel. Weshalb jedoch eine Forderung nach der radikalen Umwälzung gesellschaftlicher Verhältnisse immer auch Position zum jüdischen Staat beziehen muss, möchten wir in den folgenden Zeilen begründen:
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