Archiv für April 2012

Mit Antisemiten gegen Antisemiten

Zum Bonner Antifaschismus

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Woran sich Bonner am liebsten erinnern, ist die Zeit als „Bundesdorf“. Dieser wird – wo es nur geht – nachgehechelt. Der „UN-Campus“, mit so bedeutenden Sekretariaten wie dem für das „Abkommen zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen“, soll das ehemalige Regierungsviertel wieder mit Leben füllen, ein „World Conference Center“ wurde zielsicher in den Sand gesetzt und ohne Firmensitze der ehemaligen staatlichen Unternehmen Telekom und Post wäre die Stadt vermutlich auch wieder finanziell das Dorf, das es einmal war. Am Bahnhof gibt es zwar keine Ansagen auf englisch, weil die Bahn dafür das Fahrgastaufkommen für zu gering hält, aber immerhin ist von allen vier Gleisen aus die große Tafel „Bonn – Stadt der Vereinten Nationen“ zu lesen.
Und mittendrin eine radikale Linke die sich lieber im provinziellen Mief ergeht, als sich über Inhalte zu streiten. Dass so etwas überall hin – aber sicher nicht zum „Verein freier Menschen“ – führt, zeigt sich nicht zuletzt nun, da Nazis angekündigt haben am 1. Mai aufzumarschieren. Aber der Reihe nach: (mehr…)

Zum 1. Mai und den Bonner Verhältnissen

Ungefragt, es ist inakzeptabel wenn Nazis, wo auch immer, aufmarschieren. Das „Antifabündnis Bonn“, in dem auch Personen aus dieser Gruppe mitarbeiteten, war angetreten nicht nur eine Kritik an „gewalttätigen autonomen Nationalisten“1, sondern auch an den gesellschaftlichen Verhältnissen, die auch den Nazismus beständig reproduzieren, zu entwickeln und der Heimatverteidigung2 nahezu aller gesellschaftlicher Gruppen in Bonn etwas entgegenzusetzen.
Dieser Ansatz ist nicht mehr möglich jetzt wo die Antifa Bonn/Rhein-Sieg sich – nach Wochen des Wartens auf ihren Beschluß – dazu entschlossen hat nicht nur im Antifabündnis Bonn, sondern auch bei „Bonn stellt sich quer“ (BSSQ) mitzuarbeiten. Denn das nicht wirklich „breite gesellschaftliche Bündnis“ BSSQ ist bei genauer Betrachtung vornehmlich ein Sammelbecken hinlänglich bekannter linker AntisemitInnen aus Bonn (um nur einen Kritikpunkt an diesem Bündnis zu nennen). Gruppen, die nicht in der Lage sind eine Kritik an linkem Antisemitismus zu artikulieren und daraus die nötigen Schlüsse zu ziehen können für uns keine Bündnispartner sein, weswegen wir nicht weiter im Antifabündnis Bonn mitarbeiten werden.
Wir halten es durchaus für richtig sich Naziaufmärschen in den Weg zu stellen, allerdings ist es für uns keine Option im Sinne einer möglichst breiten Volksfront unsere Kritik über Bord zu werfen, nur weil am 1. Mai vermutlich 200-300 Nazis in Bonn demonstrieren werden.
Wer abseits der beiden Bündnisse ein Interesse hat den Naziaufmarsch am 1. Mai nicht unkommentiert über die Bühne gehen zu lassen möge sich bei uns melden.

In Kürze werden wir des Weiteren eine ausführliche Kritik an den Bonner Verhältnissen veröffentlichen.

  1. Zitat „Bonn stellt sich quer“ [zurück]
  2. Bonn bleibt nazifrei, der 1. Mai ist unser Tag, etc. [zurück]